Was wir vom Coronavirus lernen können.

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Tag für Tag steigen die Zahlen, Tag für Tag werden Schulen geschlossen, Tag für Tag sterben Menschen. Doch eine weitere Tatsache ist eine mögliche Massentraumatisierung, da die Weltbevölkerung zum ersten Mal in der digitalisierten und globalisierten Welt Opfer einer Pandemie ist und weltweite Einschränkungen erlebt. Ob ich meiner Lehrerin die Hand gebe oder nicht, hat eine grössere Bedeutung als je zuvor, und zwar nicht nur für mich, sondern für alle.

Sag niemals nie.

Heute sitze ich zu Hause, habe schulfrei, und jede Menge Desinfektionsprodukte im Schrank. Vor zwei Wochen habe ich mich über die ganze Lage lustig gemacht. Menschen lieben Weltuntergangsszenarien, habe ich gesagt. Die Schweiz wird es sowieso nicht erreichen, habe ich gedacht. Weder Panik noch Unterschätzung ist die richtige Strategie in solchen Fällen. Blitzartige Aufstiege und Abstiege in allen Bereichen des Lebens gehören zu unserem Alltag, weswegen «Niemals» Thesen (fast) niemals auftreten.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schon bevor Covid-19 uns erreicht hat, ging es los. Das Gesprächsthema Nummer 1 ist dieser neue Virus und alle Massnahmen, die damit verbunden sind. Leider habe auch ich mehr über Spekulationen diskutiert als über Massnahmen, die ich als Einzelperson treffen kann. Wir reden über mögliche Todeszahlen, doch nicht genug über Risikopersonen, die wir beschützen können. Wir reden darüber, wie der Notstand die Geburtstagsparty der besten Freundin hindern wird, doch nicht über überforderte Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Wir verlieren unsere Empathie oft, weil wir vor Angst egoistisch handeln, doch Solidarität gibt es trotzdem. In Italien werden Konzerte aus Fenstern gegeben, Pflegepersonal arbeitet bis zum Zusammenbruch und junge Menschen isolieren sich trotz der Einschränkungen von der Aussenwelt, um Risikogruppen zu beschützen. Die Hoffnung hilft auch in dieser Zeit, das Gesamtbild zu betrachten und nicht nur an eigene Verluste zu denken.

Leben und Händewaschen wird neu gelernt

Unser Alltag passt sich den Neuigkeiten über Covid-19 an. Wir erleben neue Umstände wie isolierte Busfahrer, ausverkaufte Hygieneartikel und Quarantänen. Viele lernen das Händewaschen neu und was eine Tröpfcheninfektion ist, kann ich nun besser definieren als an meiner Bioprüfung letztes Jahr. Als eine freie Bevölkerung lernen wir Einschränkungen kennen, welche vielleicht schlussendlich trotzdem zu mehr Verständnis für Mitmenschen führen werden. Wir können diese Zeit als eine Lernzeit betrachten und nicht nur unser Immunsystem versuchen zu stärken, sondern auch unser Mitgefühl und Interesse für Geschehnisse auf der ganzen Welt.

Ich bin wichtiger als gedacht.

Der Drang nach Anerkennung ist durch soziale Netzwerke deutlich gestiegen. Leider entstehen damit aber auch Gedanken wie: «Ich bin nicht so wichtig, meine Handlungen bewirken nichts.». Massnahmen, die viele Menschen vor diesem Virus beschützen können, zeigen, wie wichtig die kleinsten Schritte sind, und wie viel man als Individuum bewirken kann. Alle Menschen, die bei Symptomen sich isolieren, ihre Hände richtig waschen, Vereinstreffen absagen und keine Hände mehr schütteln, zählen zu den Helden der heutigen Zeit. Die eigene Individualität und was man selbst bewirken kann, wird klarer, wenn es anstatt unsichtbaren  Spuren nun Viren sind, die Engagement oder Ignoranz veranschaulichen.

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