Der Frauenstreik in der Schweiz- Ein wichtiger Tag

Der 14.Juni ist ein sehr wichtiger Tag. Ein Tag, an dem sich Forderungen für eine glänzende Zukunft durchgesetzt haben. Vor genau 20 Jahren erliess Belgien ein Verkaufsverbot für sämtliche Getränke von Coca-Cola. Ein glorreicher Tag! Wahrscheinlich interessieren sich die Egoistischen unter uns mehr für diesen überraschenden, aber der Gesellschaft keinen Beitrag leistenden Fakt, als für die Tatsache, dass die grösste politische Demonstration der Schweiz am 14. Juni im Jahr 2019 stattfand. Mehr als 500`000 Menschen demonstrierten für die Gleichberechtigung zwischen Geschlechtern. Inspiriert wurde diese Menge durch den Frauenstreik vor 29 Jahren. Frauen gingen 1991 auf die Strasse, da das Prinzip der Gleichstellung zwischen Frau und Mann, welcher am 14 Juni 1981 in die Bundesverfassung verankerte wurde, immer noch nicht umgesetzt wurde. In unserem modernen Zeitalter ist es nicht akzeptierbar, dass Frauen im Vergleich zu Männern weniger verdienen, mehr Opfer von sexueller Gewalt sind und immer noch in der Männerherrschafts-Ideologie am schönsten in einer Kochschürze mit einem Kochtopf in der Hand aussehen.                        

        Wie sehen die Lohnunterschiede aus? 

Quelle: Bundesamt für Statistik

In der Grafik vom Bundesamt für Statistik ist klar zu erkennen, dass es auch in der Schweiz ungerechte Lohnunterschiede gibt. Frauen verdienen im Monat durchschnittlich 1455 Franken weniger als Männer. 44.1 Prozent dieses Betrags entwickelt sich aus unerklärlichen Gründen, was sehr klar zeigt, dass es eine Lohndiskriminierung gibt.

Entweder man sieht ein, dass es eine unschöne Wahrheit ist, oder man argumentiert, dass so etwas nicht mehr möglich ist. Feminismus-Gegner beschreiben den Streik als männerfeindlich, und sehen nicht ein, dass Gleichberechtigung zu Gunsten von uns allen ist. Wie viel Druck braucht es noch, damit Kinder nicht mehr ihre dreckige Wäsche automatisch der Mutter geben anstatt dem Vater? Wie viele Hunderttausende Menschen müssen noch mitstreiken, damit meine Enkelin gleich viele Frauen in der Politik sehen wird wie Männer?  Frauen, bleibt geduldig, es bewegt sich was! Der Ständerat hat nicht mal eine Woche nach den Demonstrationen letztes Jahr Geschlechterrichtwerte für Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen akzeptiert. In Verwaltungsräten grosser börsenkotierter Unternehmen muss jedes Geschlecht zu mindestens 30 Prozent, und in Geschäftsleitungen zu mindestens 20 Prozent vertreten sein.  Fünf Monate nach dem Streik fanden die Nationalrats- und Ständeratswahlen statt. Die Ergebnisse zeigen den Erfolg: Der Frauenanteil im Nationalrat stieg von 32 auf 42 Prozent an, und im Ständerat von 15.2 auf 26.1 Prozent. Die Zahlen sind noch erstaunlicher, wenn man die Zahlen aus dem Jahr 1991 betrachtet. Der Frauenanteil im Nationalrat betrug nur 17.5 und im Ständerat 8.7 Prozent.

Als ich letztes Jahr Kinder, Männer und Frauen aus jedem Alter zusammen sah, wie sie für Gleichberechtigung demonstrierten, verstand ich, dass jeder Streik ein Anfang, aber nie ein Ende präsentieren kann, denn erst wenn der erzeugte Druck beibehalten wird, ändern sich auch die Umstände. Gleichberechtigung muss nicht nur in unser Parlament, sondern auch in unsere Gesellschaft eingebettet werden. Die Bevölkerung muss nicht nur für mehr Repäsentation in der Schweiz oder in Europa einstehen, sondern muss auch internationale Tragödien wie Kinderheiraten wahrnehmen und sich gegen diese toxische Denkweise, welche Mädchen zu Objekten machen, einsetzten. Sexuelle Gewalt darf nicht mehr geduldet werden und alle Frauen der #Metoo Bewegung verdienen mehr als Likes auf Twitter. Nicht nur Löhne müssen gerechter sein, sondern auch wie unsere Stimmen wahrgenommen werden. Von Werbungen bis zur Berufswahl, von Lohndifferenzen zwischen typischen Frauen- und Männerberufen bis zu den Stereotypen, die diese Berufe zu Frauenberufen machen,  von den eigenen vier Wänden zuhause bis zur Förderung von jungen Mädchen auch im Bereich der Informatik und Naturwissenschaften, bis Feminismus in jeden einzelnen Aspekt unseres Lebens verankert ist, wird die Frauenbewegung Geschichte schreiben, aber nie eine abgeschlossene Geschichte sein. Feminismus und Gleichberechtigung ist der wichtigste Schritt für eine funktionierende Gesellschaft und stellt keine Gefahr dar, ist sondern notwendig und nur zu erreichen, wenn jede einzelne Person sich für dieses Ideal einsetzt.

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